Planung/Umbau des Kurfürstendamm-Karrees

Quelle: RK

Die Informationen zu den Plänen des Architekten Jan Kleihues von Anfang 2016 sind bislang elektronisch noch nicht zugänglich.

1. Planungsgeschichte
2. Konzept Chipperfield
3. Politische Positionen

1. Planungsgeschichte

In den 70er Jahren wird das Kudamm-Karree, das bis 1990 dem Land Berlin gehört, in seiner heutigen Form gebaut.

1990 verkauft das Land Berlin die Immobilie Kurfürstendamm Karree an einen Privateigentümer für 45 Millionen DM. Eine Auflage im Vertragstext ist die Sicherung der beiden Theater Komödie und Theater am Kurfürstendamm für mindestens zwanzig Jahre.

1998 vereinbart der Senat mit dem Eigentümer, gegen die Zahlung von 8 Mio. DM (4 Mio. Euro) die Sicherung der Bühnen und die Mietbindung aufzuheben. Von der Zahlung erfolgt die erste Rate (zwei Million DM) sofort, der Rest nach Verkauf der Immobilie.

2002 wird das Grundstück an die Deutsche Bank (Deutsche Bank Real Estate) verkauft, der Alteigentümer zahlt den Restbetrag von drei Millionen Euro an den rot-roten Senat. Damit besteht keine Bestandssicherung für die historischen Bühnenhäuser und den Theaterbetrieb am Standort.

2006 verkauft die Deutsche Bank das Grundstück weiter an den Finanzinvestor Fortess, der es seinerseits 2007 an die irischen Investoren Ballymore Inc. Group veräußert.

Der Investor Ballymore trifft im Jahr 2008 mit dem Theaterbetreiber Woelffer eine Vereinbarung, die zunächst die Fortführung des Theaterbetriebs ohne Mietzahlung vorsieht und bei Umbau des Areals den Zugang zu einer Bühne vom Kurfürstendamm aus.

2009 beauftragt Ballymore den Architekten Chipperfield, eine neue städtebauliche Planung für das Kudamm-Karree zu machen.

2. Konzept Chipperfield

Das Büro Chipperfield legte mit der Ballymore Group am 22. September 2010 der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf ein überarbeitetes Konzept zur Neugestaltung des Kudammkarrees vor. Diese sah den Abriss beider Bühnen vor. 2011/2012 wird es still um die Ballymore-Pläne, weil der irische Investor hoch verschuldet ist. Die Versuche, einen Co-Investor zu finden und auf den Bau einer neuen Bühne ganz zu verzichten, scheitern. 2013 behauptet Ballymore wieder investitionsstark zu sein und lässt vom Büro Chipperfield eine Überarbeitung des alten Konzepts veranlassen.

Das im März 2013 der Öffentlichkeit vorgestellte Konzept wandelt die Pläne von 2010 in einigen Aspekten ab: Die Passage im Block wird mit abgerundeten Ecken breiter gestaltet. Wiederum werden allerdings beide historischen Theater abgerissen zugunsten von insgesamt 39.000 qm BGF Einzelhandel (davon 33.000 qm Verkaufsfläche – 11.000 qm unterirdisch und 22.000 in den drei oberirdischen Geschossen). Ferner soll die “Story of Berlin” ersatzlos verschwinden. Ein neues Minitheater wird auf das Dach der Shoppingmall ins 4. Obergeschoss gesetzt. Es wird mit 4.700 qm BGF aber ohne jegliche Nebenräume geplant, so dass es praktisch nicht lebensfähig ist. Weiterhin wird das derzeitige Bürohochhaus bis zum 5. Geschoss in riesengroße Shoppingflächen integriert. Ab dem 6. Geschoss soll es ein (Luxus-)Wohnhochhaus werden. Außerdem soll es zur Uhlandstraße hin einen Stadtplatz geben um den herum zwei Geschosse für Einzelhandel und Gastronomie und darüber 4 Geschosse für Luxuswohnungen mit Currywurstduft geplant werden.

Auch die aktuelle Planung sieht den Abriss beider Bühnen vor. Beide denkmalwerten Bühnen und das Kulturangebot am Kudamm sollen für eine groß angelegte Einzelhandelspassage, die nach wie vor im Zentrum der Planung steht, weichen.

Das Konzept sieht den Neubau eines der Theater als Imitation der “Komödie am Kudamm” auf dem Dach einer insgesamt viergeschossigen Shoppingmall vor.

Kudammkarree - Bestand und Konzept © Chipperfield Architects

3. Politische Positionen

Nachdem der Senat dem Eigentümer in den 1990er Jahren die Nutzungs- und Mietbindung für 8 Millionen DM (4 Mio.Euro) abgekauft hatte, weigerte er sich konsequent, die Bühnen unter Denkmalschutz stellen zu lassen. 2006 und 2008 wurden Anträge der Grünen auf Aufnahme der Bühnen in die Denkmalschutzliste von der rot-roten Koalition abgelehnt. Trotzdem haben sich im März 2010 fraktionsübergreifend 62 Abgeordnete (mit Ausnahme der FDP) für den Erhalt der Bühnen ausgesprochen.

Im Bezirk Charlottenburg – Wilmersdorf gab es über mehrere Jahre einmütige Voten für den Erhalt und die Unterschutzstellung beider Bühnen. Am 26.1. 2006 tagte die Bezirksverordnetenversammlung demonstrativ im „Theater am Kurfürstendamm“, sprach sich einstimmig für den Erhalt beider Bühnen aus und beauftragte kurz danach den Denkmalexperten Dr. D. Worbs mit der Erstellung eines Gutachtens zum Denkmalwert der Bühnen. Doch der Leiter des Landesdenkmalamtes weigerte sich, jemals eine Stellungnahme zu diesem Gutachten abzugeben.

Inzwischen hat die Mehrheit von SPD, CDU und Grünen ihre Meinung geändert und ihre Zustimmung zu der Forderung, beide Theater abzureißen und stattdessen eine neue Bühne auf das Dach der 23.000 qm großen Shopping Mall zu setzen signalisiert. Der Bau eines neuen kleinen Theaters soll dabei nicht grundbuchlich abgesichert sondern nur in einem leicht kündbaren „Städtebaulichen Vertrag“ festgehalten werden.

Den Kompromissvorschlag, wenigstens eine Bühne, die Komödie, an ihrem Standort im Bebauungsplan zu sichern, haben der Investor und die Bezirksmehrheit abgelehnt.

Ungesichert ist ebenso die Zukunft des Museums „Story of Berlin“. Der Bunker soll abgerissen werden. Neue Räume werden den rein privat arbeitenden Betreibern der „Story of Berlin“ nicht angeboten. So ist auch der Bestand der „Story of Berlin“ – ebenfalls ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt des Kurfürstendamm – völlig ungeklärt.