Geschichte der Bühnen

Das “Theater am Kurfürstendamm” entstand 1921 durch den Umbau der Liebermannschen Secession von 1904/05. Den Umbau führte der Architekt Oskar Kaufmann (1873-1956) für den Theaterunternehmer Eugen Robert (1877-1944) durch. 1923/24 baute Oskar Kaufmann hinter einem von ihm entworfenen Bürogebäude die “Komödie” für Max Reinhardt (1873-1943), der neben dem “Deutschen Theater” und den “Kammerspielen” ein Boulevardtheater für Komödien brauchte. 1928 übernahm Reinhardt dann noch das “Theater” von Robert und ließ es 1930/31 von Kaufmann umbauen. Unter Reinhardt spielten berühmte Schauspieler wie Gustaf Gründgens, Hugo, Hermann und Helene Thimig u.v.a an den beiden Theatern. Reinhardt verließ 1933 Deutschland und ging nach Österreich, von dort emigrierte er 1937 in die USA. Kaufmann ging 1937 nach Palästina und arbeitete dort erfolgreich als Architekt weiter.

1934 übernahm Hans Wölffer (1904-1976) als Intendant die “Komödie” und 1936 auch das “Theater am Kurfürstendamm”. Wölffer und seine Bühnen standen unter strenger Kontrolle des Reichspropagandaministeriums, er versuchte, von NS-Ideologie freie Stücke zu spielen. Er behielt beide Bühnen bis Ende 1942, bis Goebbels alle Privattheater verstaatlichte. 1943 wurden beide Theater bei Luftangriffen beschädigt und konnten nicht mehr bespielt werden.

Die Theater wurden erst nach Kriegsende von dem neuen Leiter Achim von Biel (1900-1954) wieder instandgesetzt: 1945/46 die “Kömodie”, 1946/47 das “Theater”. Er bespielte die Bühnen mit klassischen Stücken bis zur Berlin-Blockade 1948, dann musste der Betrieb eingestellt werden. 1949 nach der Blockade übernahme die “Freie Volksbühne”, deren Haus im Ostsektor zerstört war, das “Theater”, in dem sich bis 1963 – bis zur Übersiedlung in das neue Haus in der Schaperstraße – eine glanzvolle Theaterepoche entfaltete. Hier inszenierten die berühmtesten Regisseure, hier arbeiteten die bekanntesten Bühnenbildner, hier traten die besten Schauspieler in klassischen und moderen Stücken auf, hier wurde 1963 “Der Stellvertreter” von Rolf Hochhuth in der Inszenierung von Erwin Piscator uraufgeführt.

Die “Komödie” wurde 1951 von Hans Wölffer weitergeführt, zwölf Jahre spielte Wölffer neben der “Freien Volksbühne” seine deutschen, französischen und englischen Boulevardstücke, – eine schöne Koexistenz von ernstem und heiterem Repertoire. Wölffer führte 1955 das amerikanische Musical “Kiss me, Kate” in Berlin ein, dem dann noch viele folgten. Nach dem Auszug der “Freien Volksbühne” übernahm er 1963 auch wieder das “Theater”. In seine Intendanz fiel die Errichtung des Kudamm-Karrees 1970-1975 durch die Architektin Sigrid Kressmann-Zschach (1929-1990), bei der Hans Wölffer die Erhaltung beider Theater durchsetzen konnte.

Nach dem Tode Hans Wölffers übernahm sein Sohn Jürgen Wölffer (*1936) die Bühnen und setzte die Arbeit des Vaters fort. Die “Durchreise” 1982 von Curt Flatow war ein großer Erfolg.

2004 übernahm der Enkel Martin Wölffer (*1963) die beiden Theater und inszenierte – neben den klassischen Boulevardstücken – vor allem moderne Zeitstücke und Komödien. Dieser neue Kurs von Martin Wölffer hat sich als zukunftsfähig erwiesen und die beiden Bühnen seit 2005 vor der Schließung und dem Abriss bewahrt.
2009 hatten die beiden Bühnen mit 230000 Besuchern die höchste Besucherzahl aller Berliner Sprechtheater.